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Philosophie des Weins

Das erste Mal in meinem Leben hatte ich jetzt eine Philosophie-Zeitschrift in der Hand. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt! Dabei hatte ich mir in meiner Jugend doch vorgenommen, irgendwann mal all die großen Philosophen zu lesen. Die Aufgabe war wohl zu groß. Gleich nach Krieg und Frieden von Tolstoi war Schluss.

Für alle die Lust am Denken haben

Hohe Luft - Philosophie des Weines„Für alle, die Lust am Denken haben“ prangt als Motto auf der Zeitschrift. Ich nehme die Herausforderung an, nehme mir das Ding mit in den Flieger und habe es ganz bewusst von vorne bis hinten durchgelesen. Wann habe ich das zum letzten Mal gemacht? Dabei habe ich die Zeitschrift ja nur wegen eines Artikels bekommen: “Mehr Wein für mehr Wahrheit“.

Die Fragen die sich die Autoren stellen, sind mir nicht neu. „Sind Geschmacksurteile objektiv? Ist Geschmack nicht relativ und sehr persönlich?“ Auf Facebook entbrannten darüber schon die eine oder andere heftige Diskussionen. Regelmäßig wird dabei so manchem Beteiligten die Fähigkeit abgesprochen oder die Erlaubnis entzogen, weiterhin Geschmacksurteile abzugeben. Im Artikel lerne ich, „Ein Urteil zu fällen, so sprach eins Immanuel Kant (1724 – 1804) heißt, einem Gegenstand eine Eigenschaft zuzuschreiben. Also zum Beispiel einem Ball die Eigenschaft rund zu sein. Oder einem Riesling die Eigenschaft, scharf im Abgang zu sein. Ein Urteil ist nach Kant ein wahrheitsfähiger Gedanke.

Hohe Luft - CoverWeiterhin wird darüber diskutiert, was diesen Gedanken nun wahr oder falsch macht. Mein erster Gedanke, welch wohltuend sachliche Auseinandersetzung. Statt persönlichen Beleidigungen und Diffamierungen, wie bei Facebook, wird man hier angeregt, sich über die eine oder andere Frage Gedanken zu machen. Weiter lerne ich, dass ein englischer Philosoph ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat: „The Philosophy of Wine“. Auch er kommt wohl zu dem Ergebnis, man muss den Urteilen über Wein eine gewisse Objektivität zusprechen. Allerdings eine Objektivität ohne Realismus. (Da muss ich wohl noch einmal etwas tiefer in die Materie einsteigen.) Dabei stand der schottische Philosoph David Hume (1711-1776) vor ähnlichen Schwierigkeiten, als er sich mit der Frage beschäftigte: Was sind die Maßstäbe, nach denen wir gute und schlechte Schriftsteller unterscheiden?

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Gute oder schlechte Schriftsteller?

Ein interessanter Vergleich! Beim Wein höre ich immer wieder, der Geschmack wäre doch reine Geschmackssache und von Person zu Person ganz verschieden. Aber auch bei einem Buch kann doch jeder davon halten, was er will? Oder doch einigt man sich vergleichsweise schnell, was Literatur und was ein Schund-Roman ist. In meinen Seminaren hat sich oft das bestätigt, was schon der alte Schotte in Bezug auf Literatur erkannte. Meine Seminarteilnehmer schmecken durchaus das selbe. Je nach persönlichen Vorlieben und Erfahrungshorizont ziehen sie allerdings durchaus unterschiedliche Schlüsse. Wer mit trockenem Riesling groß geworden ist, wird Säure sicherlich anders definieren, wird die saftige Frische eines Sauvignon blanc sicherlich anders bewerten, als ein Limonaden-Trinker. Wer bisher Trollinger als Rotwein bezeichnet hat, der wird von der Farbe, der Kraft und auch von den astringierenden Tanninen eines Primitivo oder Nero d’Avola überrascht sein. Der alte Schotte David Hume, hat es laut dem Artikel auf den Punkt gebracht. Experten sind diejenigen Leser, die folgende fünf Voraussetzungen in ausreichendem Maße mitbringen:

  1. Kognitive Fähigkeiten
  2. Feine Wahrnehmung
  3. Erfahrung
  4. Vergleichsmöglichkeiten
  5. Unvoreingenommenheit

Hier gibt es den Original-Artikel aus der Philosophie-Zeitschrift „Hohe Luft“ zum Lesen: ”Mehr Wein für mehr Wahrheit

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objektiv – subjektiv? – oder scheißegal?

Vielleicht fand ich diese Frage auch so spannend, da ich ja seit fast einem Jahr intensiv das Sommelier-Portal VIPINO begleite. Warum geht es dort? Um Weintipps, um Empfehlungen von Experten. Darum dass jemand wie ich, sich einfach hinstellt und einen bestimmten Wein empfiehlt. Was berechtigt mich dazu, den einen Wein zu loben, viele andere dafür unter den Tisch fallen zu lassen? Eine philosophische Frage und mancher Selbstzweifel. Habe ich die Unvoreingenommenheit, habe ich die feine Wahrnehmung, von der bereits der alte Schotte gesprochen hat? Andererseits, wenn ich mir das begeisterte Feedback und den Erfolg der Plattform anschaue, scheinen doch viele Leser mit meinen Tipps etwas anfangen zu können. Vielleicht hat der alte Schotte doch recht…

Wieviel Wahrheit steckt in einer Weinkritik?

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Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? “Hohe Luft” ist eine Philosophie-Zeitschrift und würde sich über eine rege Diskussion freuen. Ob gleich hier in den Kommentaren oder als Mail an mich: michael.liebert@wein-uni.de. Als Anreiz stellt HOHE LUFT zwei GRATIS-Jahres-Abos zur Verfügung. Bei mehr als zwei Diskussionsbeiträgen entscheidet das Los.

Für die mehr praktisch veranlagten Gemüter hat VIPINO ein Probierpaket unter dem Motto “autonomy for your palate” zusammen gestellt.

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